Buchhandlung Artificium

Connie Palmen „Du sagst es“ - bei uns im Angebot

An dieser Stelle muss ich ein wenig weiter ausholen...

Willi Winkler schrieb 1998 in der „Zeit“ aus Anlass der überraschenden Veröffentlichung der „Birthday Letters“ von Ted Hughes (1998 war auch sein Todesjahr):

„In der kommenden Woche ist es 35 Jahre her, daß die alleinerziehende Mutter Sylvia Hughes an einem arktischen Londoner Wintermontag Selbstmord beging, einer von ungefähr hundert Suizidfällen in der zweiten Februarwoche 1963 in Großbritannien. Mit Sylvia Plaths Geschichte hatte es freilich eine besondere Bewandtnis. Nur ein Band Gedichte sowie unter Pseudonym ein Roman waren von ihr bis dahin erschienen, dazu ein paar Texte in Zeitungen und Zeitschriften. Vielen galt sie nur als Hausfrau, Gattin des Dichters Ted Hughes. Spätestens seit den 1965 veröffentlichten "Ariel"-Gedichten ist sie selber als Lyrikerin berühmt, auch wenn es am Ende ihr heiligmäßiges Leben ist, das diesen Ruhm beglaubigt. Die Geschichte ihrer Ehe mit Ted Hughes war da sehr hilfreich: Der Mann hatte sie betrogen und sie samt zwei kleinen Kindern ihrem Schicksal überlassen.

Sie ist verstummt vor 35 Jahren, hat aber um so vernehmlicher gesprochen durch ihren Nachlaß und ihren immer weiter wachsenden Ruhm. Ihrem Witwer Ted Hughes blieb nur das Schweigen. Das grausame Schicksal gab dem ungetreuen, aber nicht geschiedenen Ehemann sämtliche Rechte am Werk. Während er selber fast nichts mehr veröffentlichte, gab er nach und nach die unveröffentlichten Werke seiner toten Frau frei, die Gedichte vor allem, die streng waren und böse und auch mit seiner Untreue abrechneten. Wenn er aus eigenen Gedichten las, konnte es ihm passieren, daß er auf dem Campus mit Transparenten empfangen wurde, die ihn den Mörder der hl. Sylvia schimpften. Ted Hughes aber schwieg. Er verteidigte sich nicht, und er schrieb nicht über seine Frau, die ihn nur als Monster weiterleben ließ. Ted Hughes beschränkte sich darauf, ihren Nachlaß herauszugeben und den Biographen das Leben schwerzumachen.“ (1)

Die neue Sichtweise Connie Palmens auf die tragisch verlaufene Beziehung und Ehe beschreibt Ulrike Sárkány auf „NDR Kultur“ wie folgt:

„Der spektakuläre Selbstmord, mit dem Kopf im Backofen, brachte der amerikanischen Dichterin Sylvia Plath literarische Unsterblichkeit. Bis dahin war ihr Mann, der Engländer Ted Hughes, der gefeierte Poet, während ihr der Erfolg verwehrt blieb.

Connie Palmen schlug eines Tages, bald nach dem Tod ihres Mannes, das Vorwort von Ted Hughes in den Tagebüchern von Sylvia Plath auf:

"Und ich lese den ersten Satz und ich denke - das ist es! Ich werde als Hughes versuchen, das alles zu begreifen: den Verrat, den Verrat des Schreibens, das Verratenwerden durch Freunde, in dem Moment, als die Biografien erscheinen. Hughes wurde meine Perspektive."

Im Roman "Du sagst es" erzählt Connie Palmen sozusagen mit Ted Hughes' Worten seine Liebesgeschichte mit Sylvia Plath.“ (2)

Im „Deutschlandfunk“ Eva Karnovsky weiter:

„Connie Palmen hat nun die Geschichte von Sylvia Plath und Ted Hughes neu geschrieben, als Roman, aus der Sicht von Hughes, der darin im Jahr 1988 auf sein Leben mit Plath zurückschaut, in der Ich-Form, und in einer oft poetischen, bildreichen Sprache, die durchaus die von Hughes hätte gewesen sein können.“

"Für die meisten Menschen existieren wir, meine Braut und ich, nur in Büchern. In den vergangenen 35 Jahren habe ich mit ohnmächtigem Grauen zusehen müssen, wie unser wahres Leben unter einer Schlammlawine aus apokryphen Geschichten, falschen Zeugnissen, Gerüchten, Erfindungen, Mythen verschüttet wurde, wie man unsere wahren, komplexen Persönlichkeiten durch klischeehafte Figuren ersetzt, zu simplen Images verengt, für ein sensationslüsternes Leserpublikum zurechtgestutzt hat. Und da war sie die zerbrechliche Heilige und ich der brutale Verräter. Ich habe geschwiegen. Bis jetzt." (3)

„Palmen entwirft einen Hughes, dessen Erinnerungen und Wertungen sich zu einem gehaltvollen Kunstwerk verdichten. Der Roman nimmt dabei Qualitäten einer aristotelischen Tragödie an. Hätte diese einzigartige Beziehung zwischen Erneuerung und Zerfall ihren Platz nicht in der Realität gehabt, hätte sie die Bühne erfunden.

Wir lernen Ted und Sylvia als wahre Heldencharaktere, Welteneroberer und heillos Schwermütige kennen, deren Schicksal von Anfang an feststeht. Denn was sich in diesem Text als allgegenwärtig erweist, ist der Schatten des Todes - Sylvias unabwendbares Ende.

Nicht ihre Eifersucht war Teds Gegner, sondern, wie der Ich-Erzähler immer wieder deutlich macht, der in ihr schlummernde Drang zu sterben, ja, nicht mehr Teil dieser Welt sein zu wollen. (…) Kaum fassbar, aber ungemein schön werden wir nun erneut einer Verbindung jenseits aller Wirklichkeit gewahr. Dass Connie Palmen dabei bewusst auch Plaths (pathologische) Traurigkeit verklärt und deren Glorifizierung vorantreibt, darf nicht geleugnet werden.

Palmen hat jedoch alles andere im Sinn als eine wirklichkeitstreue Chronik. Ihre bewusste Stilisierung Plaths im Spiegel ihres Erzählers bringt eben den Märchencharakter hervor, der diesem Buch seine Einzigartigkeit verleiht. Es ist ein uneingeschränktes Loblied auf die Literatur und das Schreiben, worin sich zwei Freigeister zeitweilig einen neuen Raum, erschließen konnten - ein Sein am Rande des Realen, poetisch und erschütternd gleichermaßen.“ so Björn Hayer auf Spiegel Online. (4)

Noch einmal Ulrike Sárkány: „Connie Palmens Roman will keine Schuldfrage letztgültig klären. Aber er zeigt sehr deutlich, dass zwei liebende Menschen so miteinander verstrickt sein können, dass sie sich quälen anstatt sich gut zu tun. Diese beiden, so resümiert man am Ende der Lektüre, sind an der Herausforderung eines biederen Familienlebens gescheitert.“

Und abschließend Björn Hyer: „Es ist ein uneingeschränktes Loblied auf die Literatur und das Schreiben, worin sich zwei Freigeister zeitweilig einen neuen Raum, erschließen konnten - ein Sein am Rande des Realen, poetisch und erschütternd gleichermaßen.“

Hardcover, 288 Seiten , € 22

(1) www.zeit.de/1998/07/plath.txt.19980205.xml

(2) www.ndr.de/kultur/buch/Connie-Palmen-Du-sagst-es-,dusagstes100.html

(3) www.deutschlandfunk.de/connie-palmen-du-sagst-es-in-die-tiefe-gezogen.700.de.html

(4) www.spiegel.de/kultur/literatur/connie-palmen-mit-du-sagst-es-roman-ueber-sylvia-plath-und-ted-hughes-a-1109211.html

Artificium GmbH, Heinz-Galinski Str. 15, 13347 Berlin
Tel.: +49 (0) 30-49989685 - , Fax: +49 (0) 30-49989686
Umsatzsteuer-ID: DE300553875
Heinz-Galinski Str. 15
13347 Berlin
Tel. 030-49989685
Fax. 030-49989686